Mein Leben ohne Facebook und Google

In diesem Beitrag möchte ich euch schreiben, warum ich auf Facebook und Google (weitestgehend) verzichte, wie man das erreicht und was man davon hat.

Alles begann Anfang 2016 mit dem Wechsel des Jobs – vom IT-Administrator in ein Unternehmen im Security-Sektor. Ich begann, vieles zu hinterfragen, nicht zuletzt meinen Medien- und Internetkonsum, auch dessen Art und Weise. Im Nachschauen habe ich in mehreren Rubriken Änderungen ausgemacht, die seither mein Leben begleiten.

Messenger

Als guten Vorsatz hatte ich mir vorgenommen, meinen WhatsApp-Account zu löschen und damit dem Facebook-Account zu folgen, den ich bereits Jahre zuvor löschte. Hierbei lagen die Gründe noch nicht mal im Punkt Datenschutz, sondern im Bereich der Bildrechte. Als Hobby-Fotograf ist das ein Gut, das ich mir auch von einem Großkonzern nicht nehmen lassen wollte. In puncto WhatsApp hatten Bloggerkollege Daniel und ich relativ zeitgleich den Entschluss gefasst, den Dienst nicht mehr zu nutzen. Seine Gründe hierzu findet ihr hier.

Gesagt, getan. Alle WhatsApp-Kontakte, die mir wichtig waren, erhielten einen Abschiedsbrief, in dem ich darauf hinwies, dass man mich über Alternativen wie Telegram, Threema und Signal weiterhin erreichen könne. (Oder über die gute alte E-Mail, SMS, einen Anruf oder ein persönliches Treffen. Abgefahren oder?)

Viele Kontakte liegen seither brach. Das gebe ich unverhohlen zu.

Was ich aber sagen muss: Die, denen ich wichtig war und bin, schafften es dennoch, mit mir in Kontakt zu treten.
Heute, fast 4 Jahre später, blicke ich schon fast stolz zurück. Nicht stolz deswegen, mich anfänglich zum Außenseiter gemacht zu haben – Telegram und Konsorten waren schließlich noch Nerd-Spielzeug. Stolz, weil ich mir einige Datenskandale später immerhin sagen konnte, rechtzeitig eine Konsequenz aus den Praktiken des Facebook-Konzerns gezogen zu haben. (Aktuelles Beispiel: etwa 420 Millionen Telefonnummern dank Facebook öffentlich verfügbar. Quelle: Golem.de)

In den 4 Jahren ist Telegram mein Daily-Driver geworden, was Messaging angeht. Seien es Kollegen, Kommilitonen oder einfach Freunde und Verwandte – die meisten sind bei diesem Messenger gelandet. Natürlich hatte auch Telegram seine Pannen – es stehen hinter jeder Software eben noch Menschen. Letzten Endes sind die Entwickler nach meinem Gefühl aber immer offen und ehrlich damit umgegangen und waren für eine schnelle Lösung mehr als motiviert.

Wenn man im Messaging-Bereich von Innovationen liest, sind diese meistens bei Telegram zu finden. Als Beispiele seien nur Sticker genannt, oder die Möglichkeit, Nachrichten zu bearbeiten oder zu löschen. Andere Messenger brauchten noch einige Monate, bis solch essentielle Features endlich implementiert waren. Aktuellstes Beispiel wäre die Möglichkeit, Nachrichten ohne Benachrichtigung zu versenden oder den Nachrichtenversand zu planen. (Quelle: Telegram)

Soziale Netzwerke

Generell fehlt mir in 99% aller Belange das Bedürfnis, mein Leben mit den restlichen 8 Milliarden Menschen zu teilen. Aus dem Grund war ich bis vor wenigen Wochen nur in Messengern, aber nicht in sozialen Netzwerken angemeldet.

Als Hobby-Fotograf habe ich aber doch das Bedürfnis, meine Fotos auf einer Plattform zu teilen. Hier probiere ich seit geraumer Zeit EyeEm aus. Bei dieser Plattform handelt es sich um eine aus Deutschland stammende Instagram-Alternative. Der Fakt, dass man seine Bilder dort verkaufen kann und die Urheberrechte dennoch immer bei mir bleiben, hebt es von Instagram ab. (Und natürlich das deutsche Datenschutzrecht)

Falls ihr auch schöne Fotos habt, schaut gern mal vorbei.

Smartphone

Beim Thema Smartphone werde ich fast wehmütig. Mein letztes (privates) Android-Smartphone hatte ich 2013. Ein Samsung Galaxy S2 war mein treuer Begleiter. Dank optional verfügbarem, größeren Akku, brauchte ich teilweise nur einmal die Woche laden. Leider wurde es nicht wirklich lang mit Systemupdates versorgt, weshalb ich auf der Suche nach dem perfekten ROM einige Zeit lang beschäftigt war. (Danke an dieser Stelle an SlimRoms – euer ROM hat mich am längsten begleitet.)
Nichtsdestotrotz blieb es immer eine elende Bastelei.

Im Mai 2013 stellte Nokia das Lumia 925 vor – ein Windows Phone mit ordentlicher Leistung. Ich war sowohl von der Haptik als auch dem Betriebssystem mehr als fasziniert. Es wirkte aufgeräumter. Deutlich.

Noch heute vermisse ich es. Warum musste Microsoft ein derart innovatives und elegantes, mobiles Betriebssystem einstampfen?!

Lumia – später Microsofts Marke, die leider im Sande verlief.

Das Lumia 925 begleitete mich zwei schöne Jahre. Nach dem Arbeitgeberwechsel wechselte ich dann zum Lumia 950 XL. (Danke geht raus an Daniel ❤️) Dieses war das derzeitige Flaggschiff aus dem Hause Microsoft. Auch bei diesem kam die Optik der Kamera von Carl Zeiss – Qualität, die noch heute seinesgleichen sucht. Die Bilder, gerade im dunkeln, einfach herausragend. Ähnliche Qualität, vor allem in dunklen Umgebungen, erlangten erst das Huawei P30 Pro und das Nokia 9 (Vergleich: Testvideo) sowie das kürzlich erschienene iPhone 11 (Pro) mit dem Nachtmodus.
Im verlinkten Testvideo sieht man deutlich, dass das inzwischen knapp 4 Jahre alte Lumia 950 in puncto Kamera noch immer mit aktuellen Geräten mithalten kann. 

Apropos iPhone – im Frühjahr 2016 zog selbiges bei mir ein. Ein 6s Plus ist seither mein treuer Begleiter und ließ mich in den gut 3 Jahren Nutzung nie im Stich. Man merkt, dass Apple Wert auf qualitative Komponenten legt und die Software auch über Jahre hinweg in Schuss hält. Updates kriege ich mit diesem alten Knochen genauso schnell, wie mit einem aktuellen Gerät.

Welcher Android-Nutzer kann schon von sich behaupten, noch Updates zu kriegen, obwohl sein Gerät schon 5 Folge-Generationen hat? (in meinem Fall: Apple iPhone 7, 8, X, XS und 11)

Natürlich gibt es auch in der Android-Welt Ausnahme-Hersteller, die ihren Geräten nicht nur lange, sondern auch schnell wichtige Updates spendieren. Der Preis für die schnellsten Updates geht hierbei an Nokia (Quelle: Heise) bzw. HMD Global, die hinter der Marke stecken. Glückwunsch!

Ein Plattformwechsel kommt bei mir aktuell nicht mehr wirklich in Frage. Die Datenschutzerklärung von Apple ist übersichtlich, gleichermaßen aber auch detailliert und zeigt mir, dass ich aus gutem Grund diesem Hersteller vertraue.

Suchmaschine

Bei Suchmaschinen gibt es ja inzwischen einen schieren Urwald an Angeboten. Abseits von den üblichen Verdächtigen hatte ich für geraume Zeit auf DuckDuckGo gesetzt. Die Suchmaschine nutzt eine Kombination aus Bing und eigener Engine. Die Suchergebnisse sind je nach Themengebiet sehr gut.. oder sehr schlecht – im Programmierkontext war ich teilweise sogar glücklicher als mit Google. Wenn es aber um andere Themen ging, manövrierte ich dennoch wieder zu Google.

Nachdem ich mir auch diverse andere Suchmaschinen wie Ecosia und co ansah, bin ich letztendlich bei StartPage gelandet. Die Maschine nutzt die Suchergebnisse von Google, wirkt im Großen und Ganzen als Proxy – es landen also keine Details von euch beim Datenriesen. Trotzdem habt ihr aber die gute Qualität der Suchergebnisse.

Falls ihr euch einhergehender mit der Materie und weiteren Alternativen befassen möchtet, empfehle ich euch die Übersicht bei Mike Kuketz.

Browser

Nachdem der gute alte Firefox mir ein ums andere Mal die angepinnten Tabs vergaß (Demenz?), wechselte ich vor einigen Jahren zu Google Chrome.

Dieser hat mich über die Jahre mehr als verlässlich begleitet. Seit etwa 3 Jahren war ich auf der Suche nach einer datenschutzfreundlicheren, ähnlich verlässlichen Alternative. Über diverse Chromium-Derivate, Opera und zuletzt Vivaldi landete ich wieder beim Anfang – Firefox. Dieser lässt sich sehr gut konfigurieren, landete nicht ohne Grund in der Empfehlungsecke von Mike Kuketz.

Leider hatten sich die Demenz-Zustände immer noch nicht in Wohlgefallen aufgelöst, weshalb ich mich erneut auf die Suche machte. Inzwischen bin ich bei Brave gelandet. (Danke für die Empfehlung, Samuel!)

Brave ist ein Chromium-basierter Browser, der neben einem integrierten Adblocker ein nettes Feature mitbringt: Man kann pro Website einstellen, ob Cookies, Tracker oder Javascript erlaubt werden sollen oder nicht.

Weiterhin können Facebook-, Google- und andere Sharing-Buttons generell verboten werden. Insgesamt bin ich mit diesem Browser sehr zufrieden. Er vereint die Stabilität von Google mit einer datenschutzfreundlicheren Lösung, die mir dennoch von der Usability deutlich besser gefällt, als das Nutzen von Firefox-Plugins wie NoScript.

Youtube

Der Google-Dienst, der mich bis vor wenigen Wochen weiterhin begleitete, war Youtube, wenn auch durch den Brave-Browser deutlich entschärft.

Ich bin nun auf Invidious gestoßen, ein alternatives, quelloffenes und selbst hostbares Youtube-Frontend, was nur noch das letztendliche (MP4-)Video von Google abruft. Kommentare können wahlweise ebenfalls von Youtube geladen werden, alternativ werden ggf. existierende Reddit-Threads abgefragt.

Fazit

Dank alternativer Tools fühle ich mich etwas weniger abhängig von Datenriesen wie Google oder Facebook. Einschränkungen muss ich nach meinem Gefühl dadurch nicht erleben. Natürlich gibt es wenig Möglichkeiten, komplett ohne deren Dienste auszukommen. Dennoch hoffe ich euch ein paar nutzbare Alternativen gezeigt zu haben.

Falls ihr noch weitere Ideen habt, freue ich mich über eure Anmerkungen und Vorschläge.

Dennis

Hallo, ich bin Dennis. Magdeburger mit Leib und Seele! Ich kann mit Fußball und 99% aller anderen Sportarten nichts anfangen - identifiziere mich aber mit vielerlei Technik. Ich war schon unter Android und Windows Phone/Mobile unterwegs, nutze nun aber aktiv iOS, auch MacOS ist mir nicht fremd. Dennoch bin und bleibe ich Microsoft-Fanboy, der seine Xbox über alles liebt.

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