Meine Gründe für die Abkehr von WhatsApp

Nie war Datenschutz wichtiger – seit alles und jeder vernetzt ist muss geregelt werden, wie die Daten, die zu Hauf gesammelt werden, übertragen und gespeichert werden und wer Zugriff hierauf erhält. Nicht zuletzt bei Instant-Messengern wie WhatsApp. In einem früheren Artikel sprachen wir bereits über den Datenschutz bei Windows 10 – hier hat Microsoft vieles granular einstellbar gemacht.

Der Grund für diesen Datenschutz-Artikel ist simpel: Ich wurde letztens von jemandem nach meiner Telefonnummer gefragt, damit er mich über WhatsApp kontaktieren könne. Er hat komisch geschaut, als ich ihm sagte, dass er meine Telefonnummer dafür nicht bekommen würde.

Nach einigen vergeblichen Versuchen, ihm zu erklären warum ich das nicht möchte, vertröstete ich ihn auf später. Ich versprach ihm, die Gründe für meine Ansichten anhand offizieller Quellen zu belegen. Und damit nicht nur er etwas davon hat, dachte ich, ich schreib es hier für alle zum Nachschlagen.

Datenschutzrichtlinie vs. AGB

Zuerst einmal eine Klarstellung für die Verständlichkeit. Die Datenschutzrichtlinie ist eine Mitteilung an den Nutzer über den Umgang mit persönlichen Daten. Sie beinhaltet, wo, wer, was, wann, wie und warum Daten über den und von dem User erhoben werden und was mit ihnen geschieht. Im Fall von WhatsApp sind das z.B. Informationen darüber, wer du bist, wann du online warst und mit wem du kommuniziert hast (meines Wissens nach gehört der Inhalt der ausgetauschten Nachrichten nicht dazu).
Die AGB wiederum ist ein Vertrag zwischen Anbieter und Nutzer, den der Nutzer eindeutig akzeptieren muss und auch getan hat, wenn er das Produkt weiter nutzt. Einige geregelte Vertragsgrundlagen sind z.B., dass man mindestens 13 Jahre alt sein muss, um WhatsApp nutzen zu dürfen, oder dass man ohne die Erlaubnis von WhatsApp keinen anderen Account erstellen darf, sollte der eigene Account von WhatsApp gesperrt werden.

Geht’s noch etwas genauer?

Klar. Laut den AGB von WhatsApp ist eine nicht-private Nutzung ausdrücklich untersagt.

„Du wirst unsere Dienste nicht auf eine Art und Weise nutzen (bzw. anderen bei der Nutzung helfen), die: […]
irgendeine nicht-private Nutzung unserer Dienste beinhaltet, es sei denn, dies wurde von uns genehmigt.“

Alle deine Daten lizenzierst du an WhatsApp weiter:

„Damit wir unsere Dienste betreiben und bereitstellen können, gewährst du WhatsApp eine weltweite, nicht-exklusive, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung der Informationen (einschließlich der Inhalte), die du auf bzw. über unsere/n Dienste/n hochlädst, übermittelst, speicherst, sendest oder empfängst.“

In der grauen Theorie bedeutet das, dass ihr WhatsApp das Recht einräumt, euer übermitteltes Material jederzeit und weltweit ohne Einschränkungen selbst zu verwenden und anderen Firmen dasselbe Recht weitergeben zu können. Gleich darauf folgt eine Beschränkung der Rechte auf den Zweck, den Dienst zu betreiben. Also z.B. dein Profilbild anzuzeigen.
Laut eigener Aussage hat WhatsApp aufgrund der Verschlüsselung auch keine Möglichkeit, an den Inhalt eurer Nachrichten zu kommen.

Der Wurm

Was mich aber wirklich wurmt, ist der folgende Ausschnitt aus dem Absatz „Deine Account-Informationen“ in den AGB:

„Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Nummern zur Verfügung zu stellen.“

Das aus zwei Gründen:
Keiner, den ich kenne, hat diese Regelung befolgt. Niemand hat mich auch nur mündlich gefragt. Und hier kommt der zweite Grund ins Spiel – um auf der sicheren Seite zu sein, sollte diese Autorisierung schriftlich erfolgen. Und diese Hemmschwelle erachte ich als noch viel höher, im privaten Umfeld beinahe unüberwindbar.

Um meinem Wurm noch eine rechtliche Grundlage zu geben, muss ich mich nur auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung berufen. Es beschreibt im Recht Deutschlands das Recht des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen. Ich darf also selbst darüber bestimmen, ob jemand meine Telefonnummer an WhatsApp weitergibt. Nur in der Praxis hat mich allein meine Zuneigung zu Freunden und Familie davon abgehalten, sie alle zu bitten meine Kontaktdaten zu löschen, falls sie WhatsApp nutzen sollten.

Mithilfe eurer Zustimmung zu den AGB liegt die Verantwortung für den eventuellen Bruch des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung eines jeden eurer Kontakte also bei euch. Ihr seid es, die verklagt werden könnten, wenn euch irgendjemand nicht wohlgesonnen ist. Ihr seid es, die ganz am Anfang versprochen habt, dass ihr die Einverständniserklärung aller eurer Kontakte habt.

Der Fakt, dass alle diese Daten unzulässigerweise in die USA übertragen werden, wird in diesem Artikel nicht weiter verfolgt und böte Material für einen weiteren.

Ob jetzt WhatsApp der Böse ist, weil sie mit diesen AGB die gesamte Verantwortung an den Nutzer weiterreichen oder ob die Nutzer die Bösen sind, weil sich einfach so gut wie niemand daran hält (falls doch – Chapeau!), überlasse ich eurem Urteilsvermögen. Aber möge doch bitte jeder das Recht des Anderen achten.

Fazit

Wir können also leider keine Lösung für das Problem bieten. Das einzige, was wir nennen können sind Alternativen. Gute Alternativen sind z.B. Signal, Wickr und Threema. Das von uns verwendete Werkzeug ist jedoch Telegram. Es ist durch seine Cloud-Architektur bei vielen Technik-Seiten dadurch beliebt, dass man mit beliebig vielen Geräten (und im Browser) von überall auf seine Chats zugreifen kann. Und das Beste: Man braucht keine Telefonnummer, um kontaktiert zu werden.

Weitere Vorteile: Channels und riesige Gruppen. Auch dieser Blog hat beides.
Falls ihr auf dem Laufenden bleiben wollt: https://t.me/TechHamsterDE
Falls ihr mit in die Gruppe wollt: https://t.me/TechHamsterChat

Quellen mit dem Stand vom 23.03.2018:
https://www.whatsapp.com/legal/#privacy-policy
https://de.wikipedia.org/wiki/Informationelle_Selbstbestimmung

Daniel

Hi. Ich bin Daniel. 1,82 groß, Rechtshänder mit Schuhgröße 44. Ich bin mit Windows großgeworden und fühle mich dort am meisten aufgehoben. Seit Microsoft kein aktuelles Windows Mobile Gerät mehr vertreibt, bin ich aber auch auf iOS unterwegs. Ich versuche, euch die Welt der Technik etwas aus meiner Sichtweise näherzubringen und werde das auf verschiedenste Arten angehen.  Bleibt neugierig!

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